Der erste Schnee! Ist das nicht fürchterlich?

An einigen Tagen ist schon beim Aufwachen klar, dass es kein guter Tag werden wird. Heute Nacht kam der erste Schnee! Und beim Aufstehen war alles weiß – fürchterlich! Ich kann kalt nicht leiden,  und Schnee sieht immer kalt aus. Wie soll man unter solchen Bedingungen Pipi machen?

Ich soll in den Schnee - aber zuvor ziehe ich meinen Mantel an
Ich soll in den Schnee – aber zuvor ziehe ich meinen Mantel an

Kurz nach dem Aufstehen

Stine treibt das komplette Rudel nach draußen. In den Tiefschnee! Ich setze mich unbemerkt ab und erledige mein Geschäft auf dem Parkett. Klein sein hat auch Vorteile! Korrekt ist das von mir nicht, aber besondere Situationen bedingen besondere Maßnahmen. Wenn der Hausmeister später mein Brünnchen findet, wird er fluchen. Aber wozu hat man Angestellte?

Den Morgen halte ich aus, ohne mit Schnee in Berührung zu kommen. Ich bleibe in meinem süßen, warmen Bettchen. Die anderen finden den Schnee toll. Freundin Any fegt durch die weiße Einöde wie ein Blizzard. Terrier eben!

Am Nachmittag wird es eng für mich. Stine ist irgendwie daraufgekommen, dass ich noch nicht draußen war. Sie meinte, ich solle jetzt Pipi machen gehen.

Na gut…

Aber vorher muss ich mir etwas Warmes anziehen. Mein Kleiderschrank ist halbwegs gut gefüllt. Ich gebe zu, mehr wäre besser. Ein Dame kann niemals genug zum Anziehen haben. Nehme ich den Norweger von gestern? Der hat Euch doch gefallen? Oder besser den Mantel mit der Kapuze? Ich entscheide mich für den Mantel.

Und dann geht es in den Schnee.

Pudel im Schnee. Ist das nicht fürchterlich?
Pudel im Schnee. Ist das nicht fürchterlich?

Draußen ist es trübe. Die Sonne hält sich hinter den Wolken versteckt, sie hat sich schon den ganzen Tag nicht blicken lassen. Auf mich wartet Schnee. Tiefschnee, um ehrlich zu sein. Und der ist auch noch so pappig nass. Oh Mann, wenn Schnee, dann Pulverschnee bitte! Stine geht mit und beaufsichtigt mich. Pippi unter Aufsicht? Das verstößt gegen die Etikette. Geht gar nicht…

Da soll ich laufen? Echt jetzt?
Da soll ich laufen? Echt jetzt?

Nach 2 Metern im Tiefschnee ist mir pudelkalt,  und es wird immer kälter. Die Pfoten sind nass, dass Fell wird feucht. Ich pflüge unerschrocken weitere 10 Zentimeter durch das weiße Zeug. Pah, wer hat das erfunden? Jetzt aber erst mal die Kapuze auf. Es ist kalt und die Kälte kommt von allen Seiten.

Bin ich ein Malamute?

Stine steht immer noch da. Ich soll Pippi machen, sagt sie. Aber doch nicht im Schnee? Stine! Wer in der Welt geht freiwillig aus seinem Haus in den kalten, pappigen Schnee,  um sein Geschäft zu machen? Na, wer?

Kapuze auf - hilft aber auch nicht. Kalt ist kalt.
Kapuze auf – hilft aber auch nicht. Kalt ist kalt.

Niemand! Also kein Pudel! Ein Malamute, ja davon habe ich schon gehört. Aber die rennen ja auch mit Schlitten wie gestört durch die Gegend. Also gut jetzt. Pudelchen friert. Die Farce muss ein Ende haben.

Ich trabe weitere 10 Zentimeter durch den tiefen Schnee. Mit aller Würde, die ich schlotternd aufbringen kann. Meine mir zugewiesene Menschenfrau soll den guten Willen erkennen. Dann ist aber gut.

Schlotternd, frierend, mit verzweifeltem Pudelblick bleibe ich vor einer enormen Schneewehe stehen. Jetzt endlich versteht  Stine: Das wird heute nichts mehr.

Pudelchen aus der Schneewehe gerettet!
Pudelchen aus der Schneewehe gerettet!

Sie nimmt mich hoch und erlöst mich vom Tod durch Erfrieren. Kein Schnee mehr! Für den Moment. Mein Geschäft erledige ich dann sehr diskret auf wunderschönem Parkett.

Aber, psst, nicht dem Hausmeister erzählen!

Lilly Taylor

Lilly, Pudel Dame aus Shanghai. Schreibt auf dogs-united.de Geschichten aus dem Hundeleben mit Herz und Pfote.

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