Die Katze und mein schwarzer Stern mit langen Beinen

Ich schlafe, tief in meine Decke eingehüllt. Mich plagen Fieberträume. Da ist diese große, schwarze Katze. Katzen sind fies. Besonders dann, wenn man so wie ich ein kleiner Toypudel ist. Ich habe Angst vor dieser Katze. Sie ist groß, schaut böse mit funkelnden Augen. Und langsam, ganz sachte, schleicht sie sich immer näher an mich heran.

Ich schlafe und träume von der Katze
Ich schlafe und träume von der Katze

Zentimeter für Zentimeter kommt sie auf mich zu

Geh weg, will ich bellen. Aber ich bekomme keinen Ton raus. Jetzt ist sie ganz nahe. Ich kann ihren heißen Atem spüren, das Blut in meinen Adern gerinnt. Der Angstschweiß kommt aus allen Poren. Jetzt will die Katze meine Decke. Meine rosarote Kuscheldecke! Die gebe ich nicht her!

Die Katze zieht, ich halten die Decke, aber die Katze gibt nicht auf.

Sie zieht, ich halte dagegen. Aber die Katze ist stärker. Ich verliere die Decke Stück für Stück.

Da wache ich auf – schweißgebadet.

Aber was ist das? Das Blut gerinnt mir erneut in den Adern. Da zieht immer noch wer an meiner Decke. Der Jemand ist schwarz und hat lange Beine! Oh mein Gott, was ein Albtraum!

Lilly, hallo Lilly, sagt die schwarze Gestalt.

Die Sprache klingt so vertraut. Der vertraute Shanghai Dialekt, er ist liebliche Musik in meinen kleinen Ohren. Träume ich, bin ich wach?

Lilly, bis Du wach?

Vor mir steht diese junge, schlanke Terrierhündin mit den endlos langen Beinen. Und Ihr glaubt es kaum, sie spricht meine Sprache! Natürlich spricht sie nicht so gewählt wie ich. Mehr so etwas gewöhnlich, ein Terrier eben. Aber das ist im Moment egal, ich bin überglücklich,  jemanden aus der alten Heimat zu sehen.

Mein schwarzer Stern mit langen Beinen

So ist das eben! Da geht es Dir im Leben so richtig schlecht, und Du glaubst,  dass alles ganz furchtbar ist. Der letzte Knochen ist gekaut, das letzte Lied gebellt. Dann aber kommt der Stern in der Nacht. In meinem Fall ist es Any, die auch aus Shanghai kommt, und die ebenfalls in Deutschland gelandet ist.

Sie erzählt aus Ihrem Leben. In Shanghai hat sie nahe der Autobahn gewohnt. Davon gibt es viele, ich habe also keine Ahnung, aus welchem Bezirk sie kommt. Irgendwann war sie alleine, und ihre Menschen waren fort. Eine Menschenfrau hat sie dann in allerletzter Sekunde von der Autobahn gerettet und in das große Haus mit den vielen Hunden mitgenommen.

Ich, und meine neue Freundin Any
Ich, und meine neue Freundin Any

Any erzählt mir viele Dinge, die ich wissen muss. Meine Menschenfrau heißt Stine. Sie ist lieb, sagt Any, und der Hausmeister mit den kurzen Haaren ist auch ganz nett. Er sei zwar streng, aber sie würde ihn locker um die Pfote wickeln.

Any, ich habe ein Problem!

Was ist denn los, Lilly?

Es ist ein großes Problem!

Terrier lösen alle Probleme, kleine Lilly!

Ich verstehe die Sprache der Menschen hier nicht!

Jetzt kippt Any vor Lachen fast von ihren langen Beinen. Die lacht mich aus, das ist fies! Ach Lilly, wenn es nur das ist, da kann ich Dir helfen.

Die Menschensprache ist einfach. Wir üben jetzt jeden Tag, und bist Du gesund bist, kannst Du sie verstehen.

Und so fange ich an,  Deutsch zu lernen.

Lilly Taylor

Lilly, Pudel Dame aus Shanghai. Schreibt auf dogs-united.de Geschichten aus dem Hundeleben mit Herz und Pfote.