Heute müssen wir einmal über die ernsten Dinge reden. Was wir Hunde so für die Menschen tun. Ich habe es Euch ja erzählt, ich schnappe mir jeden Mittag meinen Menschen, um mit ihm zu laufen. Der braucht seine Bewegung, sonst setzt er Fett an. Geht doch gar nicht, und wir alle wollen ja, dass unsere Menschen gesund bleiben.

Wenn wir unterwegs sind, dann bin ich unentwegt am Arbeiten. Es ist nicht so, dass wir Hunde so locker vergnügt durch die Botanik schlendern würden, wie Ihr Menschen es tut. Nein, nein, wir sind extrem beschäftigt. Ich scanne mit meiner super sensiblen Nase unentwegt die Umgebung und nehme alle Informationen auf.
Die verarbeite ich dann, in Echtzeit natürlich. Da war gerade eine Maus unterwegs? Ungefährlich! Heute früh haben ein paar Wildschweine den Weg gekreuzt? Zu lange her! Oh, hier war ein Fuchs auf Beutefang. Die Spur ist noch ganz frisch, und bei Füchsen ist man sich nie sicher, was die mit sich herumschleppen. Also machen wir lieber einen weiten Bogen und umgehen die Gefahrenstelle.
Merkt Ihr was?
Das ist Arbeit und eine große Verantwortung. Denn Ihr Menschen bekommt das gar nicht mit. Eure Nase taugt gerade zum Atmen, aber sonst könnt Ihr nicht viel mit ihr anstellen. Naja, Ihr setzt so komische Dinger auf sie. Mit Gläsern und Rahmen, die manchmal sogar bunt sind. Vor allem, wenn Ihr älter werdet. Ihr meint, das wäre total abgefahren. So ganz habe ich den Sinn noch nicht verstanden.
Und dann, um zurück zum Thema zu kommen, gibt es die Gefahrenmomente. Wo ich meinen Menschen, den Hausmeister, schützen muss und ihn aus gefährlichen Situationen hole. Vor ein paar Tagen zum Beispiel, da waren wir wieder gemeinsam unterwegs. Er vorschriftsmäßig hinter mir an der Leine, ich aufmerksam vorne weg.
Und dann, so ein beißender Geruch. Das kommt vom Wegesrand, aus dem Graben.
Da sitzt doch, tatsächlich, so eine Katze im Graben versteckt. Damit wir uns klar darüber sind, ich habe kein Problem mit Katzen. Die machen ihr Ding. Ich mache meines. Wir gehen uns aus dem Weg.
Bleibt die Katze im Graben?
Um meinen Menschen nicht zu verunsichern, tue ich so, als hätte ich nichts bemerkt. Wir sind fast an der Gefahrenstelle vorbei, als die Katze mit einem Satz aus dem Graben springt! Jetzt muss ich eingreifen!
Ich drehe um, fixiere die Katze. Pumpe mich auf, Brust raus, die Beine breitgestellt. Jetzt bin ich fast so groß wie die Katze. Ich schaue sie an, sie erwidert meinen starren Blick!
Keinen Schritt weiter, Stubentiger!
Dann, ganz langsam und nur ganz wenig, hebe ich die Lefzen. Mein beeindruckendes Gebiss funkelt für den Bruchteil einer Sekunde auf. So unterstreiche ich meine Warnung und zeige die möglichen Konsequenzen, wenn man sie nicht befolgt. Die Katze hat es gesehen. Mein Mensch, natürlich, bekommt davon überhaupt nichts mit.
Bleib, wo Du bist. Oder es fließt Blut!
Eine letzte Drohung, die diesen Fremdling, den ich hier noch nie gesehen habe, in die Schranken weisen soll.
1, 2, 3 endlose Sekunden passiert gar nichts. Die Zeit steht still, die Vögel singen nicht mehr, nur der Wind weht über den kalten Boden.
Dann setzt sich die Katze hin und signalisiert Entspannung.

Puh! Gerade in letzter Sekunde! Länger hätte ich die Luft nicht anhalten können. Tiefes Durchatmen! Ich gebe meinem Menschen Deckung und manövriere ihn aus der Gefahrenlage.
Fremde Katzen sind niemals gut. Die tragen alles Mögliche mit sich herum, die haben oft so kleine Untermieter. Außerdem sind sie vielleicht aggressiv.
Also nichts wie weg von hier! Und wieder einmal habe ich meinen Job gemacht und meinen Menschen vor möglichen Gefahren gerettet.
