Endlich! Youcard und ich sind in Frankfurt gelandet. In unserem Abteil geht das Licht an, dann öffnet sich eine Türe. Zwei Männer kommen herein. Ich belle eine freudiges „wie gehts“ den beiden zu. Sie reagieren nicht, vielleicht haben sie mich nicht verstanden. Schweigend schaffen sie Kiste für Kiste aus dem Flieger.

Jetzt sind auch Youcard und ich dran. Unsere Transportbox landet auf einem Wagen. Das hätte man auch sanfter machen können! Dann rumpelt das ganze Ding in Richtung von einem Gebäude.
Ich glaube, ich werde krank
Den ganzen Flug habe ich gefroren. Ja, Youcard hat mich gewärmt, oder besser, wir haben uns gegenseitig gewärmt. So gut es geht, wenn der eine ein geschorener Pudel ist und der andere so mager wie ich es bin. Jetzt aber kommt die Erkältung. Ich habe so ein ungutes Kratzen im Hals. Meine Nase läuft. Medikamente haben sie mir natürlich keine eingepackt. Das kann ja heiter werden!
Plötzlich ist die Menschenfrau aus Shanghai wieder da
Wo kommt die denn her? Die nette Menschenfrau, die mich zum Flugzeug gebracht hat. Das ist merkwürdig. Sie hatte keine Transportbox für sich dabei, wie kommt die nach Frankfurt? Bestimmt musste die arme Frau in einer Sammelbox mit anderen Menschen reisen. Ja, so kommt das, wenn man die eigene Transportbox daheim vergisst. Menschen eben…
Ich freue mich aber sie zu sehen. Und der Youcard auch. Ein vertrautes Gesicht in einer fremden Welt, Leute, das ist ganz viel wert! Für einen Moment vergesse ich das Kratzen im Hals und meine triefende Nase. Aber die Freude ist nur kurz. Denn jetzt wird es traurig.
Abschied von Youcard
Am Anfang, als er in meine Box kam, war ich mir nicht sicher, ob ich ihn leiden mag. Auf dem Flug haben wir uns dann angefreundet und zusammen gekuschelt. In seiner Gegenwart fühlte ich mich sicher. Jetzt trennen sich unsere Wege. Youcard zieht weiter, ich bleibe in Deutschland.
Auf dem Weg zum Zoll erzählt er mir, dass er in der Schweiz leben wird.
Kannst Du die Schweiz, Lilly?
Natürlich, Youcard!
Er schaut ganz erstaunt. Gebildet ist er nicht, der große geschorene Pudel. Also helfe ich ihm nach und erkläre auf die Schnelle die Schweiz.
Viele Berge haben sie da, kleine Häuser und süße Dörfer.
Und die Menschen hüten Ziegen, essen Käse und trinken Milch.
Und die Menschenmänner heißen Peter. Die Jungen zumindest.
Youcard schaut erstaunt. Vor lauter Staunen bleibt sein Maul offen und die Zunge hängt heraus. Sieht schräg aus. Na, ja, ich habe im letzten Jahr den Film „Heidi“ im Kino gesehen. Das bildet.

Vermutlich muss Youcard zukünftig Ziegen hüten. Das denke ich mir nur, sage es aber nicht. Ziegen! Stellt Euch das vor. Ein Pudel hütet Ziegen auf der Alm mit dem Peter. Was für ein Bild!
Jetzt sind wir am Zoll
Die Menschenfrau zeigt dem Mann in Uniform meine Dokumente. Ich komme aus Shanghai, der großartigsten Stadt der Welt. Außerdem bin ich stolzer Bürger der chinesischen Volksrepublik und natürlich sind meine Papiere in Ordnung. Hoffentlich auch die von Youcard.

Probleme mit der Einreise sollte es nicht geben. Die gibt es auch nicht. Ein kurzer scharfer Blick in unsere Box, dann nickt der Zöllner und winkt uns und die Menschenfrau durch.
Willkommen in Deutschland!
Jetzt bin ich aufgeregt und traurig zugleich. Youcard verabschiedet sich und reist weiter. Und gleich werde ich meine neue Menschenfrau treffen. Ob die nett ist?
